Unerwünschtes Verhalten

Unerwünschtes Verhalten beim Hund

ID 104617502 © Anatol1973 | Dreamstime.comHunde gelten nicht umsonst als bester Freund des Menschen. In unserer Vorstellung sind sie stets treue Begleiter, mutige Retter oder lustige Spielkameraden. Doch nicht immer tun Hunde das, was man von ihnen will. Im Gegenteil: Oft machen sie genau das, was man nicht will. Aber was tun, wenn ein Hund nicht folgen will?

Würde sich ein Hund immer seiner Natur entsprechend verhalten, wäre es nicht möglich ihn als Haustier zu halten. Ständiges Markieren, Zerstören der Wohnungseinrichtung, permanentes Bellen und Heulen, um nur ein paar Beispiele zu nennen - das hält niemand lange aus.

‚Korrektes’ Hundeverhalten hingegen entspringt ausschließlich unserem menschlichen Denken, unserer Vorstellung von Höflichkeit, Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit. Damit ein Hund sich an unsere sozialen Gepflogenheiten anpassen kann, muss er erst einiges lernen. Das erfordert Kommunikation und Training. Doch warum tun manche Hunde trotz intensiven Übens nicht das, was man von ihnen verlangt? Sind Hunde einfach nur stur, wenn sie auch nach jahrelangem Training nicht auf Befehl bei Fuß gehen, auf Kommando zu bellen aufhören oder noch besser, einem einfach von den Lippen ablesen, was man von ihnen will? Bei kleinen Hunden empfinden wir Ungehorsam oft noch als süß. Doch bei größeren Tieren kann es durchaus auch mal gefährlich werden, etwa wenn 30 Kilogramm Hund an der Leine plötzlich losspringen oder wenn Aggressivität mit im Spiel ist.

Was geht im Kopf des Hundes vor?

Hunde leben im Hier und Jetzt. Sie speichern zwar durchaus Erfahrungen ab und lernen aus ihnen, sie grübeln allerdings nicht über Vergangenes nach und planen auch nicht in die Zukunft. Verhalten hat durchaus immer einen Sinn und Zweck wie etwa „Aufmerksamkeit erregen“, es entspringt jedoch immer dem Moment und ist nicht das Ergebnis langer Überlegungen wie: „Wenn ich das jetzt anstelle, wird sich mein Herrchen so richtig schön ärgern. Gut so, gestern hat er mich wieder tierisch genervt.“ Triebe und Instinkte sowie vorangegangene Erfahrungen bestimmen zum Großteil das Verhalten unserer Vierbeiner. Meistens geht es dabei schlicht um Dominanz. In der freien Natur ist die Rangordnung des Rudels überlebenswichtig für die Gruppe. Wer einmal Machtkämpfe zwischen Wildtieren beobachtet hat weiß, dass diese mitunter sogar tödlich enden. Doch was ist dann der Grund, warum unsere Haushunde Dinge tun, von denen sie vermeintlich wissen, dass es unerwünscht ist? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: der Hund wurde nicht ausreichend trainiert bzw. konditioniert, die ‚Rangordnung’ ist nicht klar definiert oder aber die Kommunikation zwischen Mensch und Hund funktioniert schlichtweg nicht. In Einzelfällen sind es aber auch Rasseeigenschaften, wie etwa beim Jagdhund, die die Hundeerziehung erschweren. Allen gemeinsam ist, dass Hunde immer dasjenige Verhalten zeigen, das sich für sie lohnt. Aber was lohnt sich in den Augen eines Tieres und wie kann man sich das zunutze machen?

Video: Hundetraining: Unerwünschtes Verhalten korrigieren | Was tun, wenn Hund Fehlverhalten zeigt?

Unerwünschtes Verhalten erfolgreich abstellen

Um unerwünschtes Verhalten beim Hund erfolgreich abzustellen ist einiges an Denkarbeit und Training notwendig. Zunächst muss entschlüsselt werden, mit welcher Motivation der Hund handelt. Worin liegt sein Gewinn? Ist es Aufmerksamkeit, Bestätigung, Futter oder schlicht das Gefühl, der Stärkere zu sein? Entsprechend gibt es unterschiedlichen Möglichkeiten, gezielt gegen Ungehorsam vorzugehen. Wichtig ist, uns nicht nur auf das zu konzentrieren was wir nicht wollen, sondern dem Vierbeiner auch ein Alternativverhalten anzubieten und ihn hierfür zu belohnen.

Die Kommunikation verbessern

Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund basiert letztlich darauf, dass jeder die Sprache des anderen lernt. Doch nicht bei jedem Mensch-Hund-Team gelingt dies auf Anhieb. Dann kommt es zu Missverständnissen. Schon kleine Veränderungen in der alltäglichen Kommunikation können dabei helfen, die Sprachbarriere zu überwinden.

Konkret heißt das, den Hund in dem zu bestärken was erwünscht ist. Meist schenken wir hingegen unerwünschtem Verhalten mehr Beachtung als wenn unser Liebling alles richtig macht. Doch auch Schimpfen ist eine Art von Bestärkung, nämlich in Form von Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, Ihren Hund immer mit Aufmerksamkeit zu belohnen, wenn er brav ist und seine Sache gut macht. Bei Welpen ist besondere Vorsicht geboten: Da sie einfach immer süß sind, egal was sie tun, werden sie oft unbewusst in ungehorsamem Verhalten bestärkt. Schon im Welpenalter sollten jegliche Verhaltensweisen, die bei einem erwachsenen Hund lästig sind, entsprechend unterbunden werden. Unerwünschtes Verhalten wird gar nicht erst antrainiert, wenn man es ignoriert, Gehorsam hingegen wird mit Lob, Spielen und Streicheleinheiten bestärkt. So lernt der Hund, was wir Menschen gut finden und was nicht.

Gezieltes Training hilft

Oft liegt die Ursache für Ungehorsam jedoch weniger in der Natur des Hundes, sondern hauptsächlich in seiner Erziehung. Das heißt schlichtweg, dass Kommandos nicht konsequent beigebracht wurden oder, dass Ihr Hund gar nicht weiß was Sie von ihm wollen, weil ein klares Kommando fehlt. Training und Übung sind hier gefragt. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Hund an der Nase herumführen. Wird ein Kommando nicht befolgt, liegt das nicht daran, dass Ihr Hund nichts hört. Müssen Sie Befehle mehrmals wiederholen, nimmt Sie Ihr Hund schlicht nicht für voll. Überraschen Sie Ihren Hund indem Sie Ihre Taktik ändern. So sind Sie weniger berechenbar und Ihr Hund muss Ihnen seine volle Aufmerksamkeit schenken. Läuft Ihr Hund ohne Leine, können Sie sich beispielsweise hinter einem Baum oder Busch verstecken. Merkt Ihr Hund, dass der Rudelführer nicht mehr da ist, wird er unter Umständen sehr schnell nach ihm suchen.

Auch die klassischen „Hier“-Übungen aus der Hundeschule lassen sich hervorragend beim Gassi-Gehen mit einbauen. Ist Ihr Hund beschäftigt, kommt er schonmal nicht auf dumme Gedanken. Ebenso können Abbruchkommandos hilfreich sein. Befehle wie „Aus“, „Stop“, „Schluss“ oder „Pfui“ funktionieren jedoch nur, wenn sie vorher gezielt trainiert wurden und damit eine konkrete Handlung verknüpft wurde, beispielsweise „Loslassen“, „Stehenbleiben“, „zu Herrchen blicken“. Helfen diese einfachen Übungen nicht, müssen größere Geschütze aufgefahren werden. Bei Hunden mit Jagdtrieb wirkt ein gezieltes Training zur Impulskontrolle oft wahre Wunder. Auch ein Rückruftraining kann dabei helfen, Ungehorsam zu unterbinden. Achten Sie jedoch darauf, nicht nur Dinge zu verbieten, sondern Ihrem Hund ein Verhalten anzubieten, für das Sie ihn belohnen können. Und neben Training und Kommunikation können auch so einfache Dinge wie Streicheleinheiten, ausgiebige Fellpflege oder einfach körperliche Nähe für den Hund ein guter Grund sein, Herrchen und Frauchen gefallen zu wollen.

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