Sprachkurs Hund

Sprachkurs Hund: Körpersprache und Kommunikation

ID 121461510 © Taisya Korchak | Dreamstime.comMissverständnisse und Sprachbarrieren gibt es nicht nur zwischen Menschen. Auch von Mensch zu Hund und umgekehrt kommt nicht immer jede Botschaft an. Zweibeiner wie Vierbeiner müssen die Sprache ihres Gegenübers erst lernen, damit der gemeinsame Alltag reibungslos funktioniert.

Zugegeben, Hunde können nicht sprechen, zumindest nicht so wie wir Menschen. Kommunizieren können sie jedoch sehr wohl. In freier Natur müssen Rudeltiere das sogar, um sich innerhalb der Gruppe zu verständigen, etwa um die gemeinsame Jagd zu koordinieren, die Rangordnung festzulegen, aber auch um Wohlbefinden oder Unwohlsein, Frust und Freude auszudrücken. So teilen die Tiere beispielsweise mit, dass sich ihr Gegenüber unerwünscht verhält, dass gegenseitige Fellpflege erwünscht ist oder dass Gefahr in der Luft liegt. Körpersprache und Kommunikation sind also essenziell für ein geregeltes Zusammenleben. Ohne diese Kommunikation kann eine Gruppe nicht überleben. Ebenso verhält es sich bei uns Menschen. Doch bekanntlich kommt es hin und wieder zu Verständigungsproblemen, wenn unterschiedliche (Körper)sprachen aufeinandertreffen. Egal ob Welpenerziehung oder Training erwachsener Hunde, mittlerweile gibt es ein breites Angebot an Fachliteratur vom Profi. Doch welche sind die wichtigsten „Vokabeln“ für Hundebesitzer und alle, die es werden wollen?

So sprechen Hunde miteinander

Da Hunde nicht mit Worten sprechen können, müssen sie sich anderer Möglichkeiten bedienen, ihre Gefühle und Absichten mitzuteilen. Ein Hund verwendet daher so gut wie jedes Körperteil dazu, sich auszudrücken. Wie wir Menschen verfügen sie über Gestik und Mimik, benutzen also ihren Körper und ihr Gesicht, um mit ihrem Gegenüber zu kommunizieren, und das sogar über große Distanzen hinweg. Aber auch Körperhaltung und Bewegung, Gerüche und Hormone, Töne und Berührungen gehören zur Sprache des Hundes. Für uns Menschen ist es da oft gar nicht so leicht, die vielen unterschiedlichen, feinen Signale richtig zu deuten.

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Die Mimik des Hundes

Die Augen sind der Schlüssel zur Seele. Das gilt auch für Hunde. Ein starrer Blick und enge Pupillen bedeuten Drohung oder Aggression, ein entspannter Blick mit geweiteten Pupillen Zufriedenheit, Vertrauen und Zuneigung. Mit nach hinten gezogenen Lefzen signalisiert ein Hund Unsicherheit und Unterwürfigkeit, werden dabei die Zähne gezeigt wird außerdem gedroht: „Komm mir nicht zu nah!“ Werden die Eckzähne entblößt und die Mundwinkel nach vorn gezogen ist das hingegen ein Zeichen von Sicherheit. Ähnliche Signale senden Hunde mit ihren Ohren: Nach hinten geklappte Ohren zeigen Unterwerfung an, nach vorn gerichtete, aufgestellte Ohren bedeuten: „Ich fühle mich sicher!“ Hunde senden einander auf diese Weise unzählige, feine Körpersignale. Oft ohne, dass wir Menschen es merken. Schwierig wird es, wenn Hunde derart überzüchtet sind, dass Körpersprache nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich ist.

Die Gestik des Hundes

Doch Hunde sprechen nicht nur mit ihrem Gesicht, sondern mit ihrem ganzen Körper. Dominante Hunde machen sich möglichst groß, stellen den Kopf nach oben und plustern ihre Brust auf. Aggression wird durch zusätzlich gesträubtes Fell zum Ausdruck gebracht. Unterwürfige Hunde machen sich hingegen klein, ducken sich oder legen sich gar auf den Rücken. Auch mit der Kopfhaltung kann ein Hund Bände sprechen. Ein seitlich weggedrehter Kopf signalisiert dem Gegenüber Offenheit und Friedlichkeit. Mit einem frontal zugewendeten Kopf und fixierendem Blick sagt ein Hund: „Ich habe keine Angst vor Dir.“ Schwanzwedeln deuten wir fast immer als Zeichen von Freude aber tatsächlich bedeutet es schlicht Aufregung, die allerdings durchaus positiv sein kann, etwa wenn Frauchen nach Hause kommt oder Herrchen zum Spielen auffordert. Ist die Rute hoch erhoben, wird positive Stimmung ausgedrückt, ist der Schwanz gesenkt bedeutet dies meist Angst oder Unsicherheit. Vor allem bei fremden Hunden oder Hunden, die bekanntermaßen ängstlich oder aggressiv sind, sollte man bei diesem Signal vorsichtig sein. Hunde senden außerdem häufig Beschwichtigungssignale aus, um ihr Gegenüber freundlich zu stimmen, sich selbst oder andere Rudelmitglieder zu beruhigen oder um sich zu entspannen. Dabei benutzen sie eine ganze Anzahl vermeintlich unbedeutender Signale: das Lecken von Schnauze und Nase, sich selbst kratzen, Schnüffeln auf dem Boden, einen Bogen gehen, langsame Bewegungen, den Kopf zur Seite drehen und urinieren.

Hundegerecht streicheln

Bei den täglichen Streicheleinheiten und bei der Fellpflege sollten Hundebesitzer genau auf ihre Körpersprache achten. Umarmungen beispielsweise sind für Hunde äußerst unangenehm, auch wenn die meisten Hunde sie dulden, denn aus Sicht des Vierbeiners ist es eher ein bedrohlicher Würgegriff, als ein Zeichen von Zuneigung. Viele Hundebesitzer tätscheln liebevoll den Kopf ihres Hundes. Doch die flache Hand, die sich dabei frontal oder von oben dem Kopf nähert, empfinden viele Tiere ebenfalls als Bedrohung. Dreht ein Hund seinen Kopf, oder weicht der streichelnden Hand aus, sollte das Streicheln an einer anderen Stelle fortgesetzt werden. Drückt sich der Vierbeiner stattdessen gegen die streichelnde Hand, signalisiert dies eindeutig: „Bitte mehr davon!“ Ein ruhiges Streichen über Rücken oder Bauch, ein kraulen der Kehle, zwischen den Ohren oder an der Schwanzwurzel sorgt bei den meisten Hunden für höchsten Genuss.

Grundregeln für Menschen

Wenn wir verstehen wollen, was unsere Vierbeiner zu sagen haben, müssen wir ganz genau hinsehen. Schon kleinste Veränderungen im Gesichtsausdruck oder in der Körperhaltung können wichtige Informationen darüber enthalten, ob sich unser Hund wohl fühlt, ob er unzufrieden ist oder ob er gleich etwas Ungezogenes anstellen wird. Genauso feinfühlig sollten Zweibeiner ihre Körpersprache einsetzen. Hunde sind durchaus in der Lage, unser Verhalten zu interpretieren und danach zu handeln. Das funktioniert aber nur, wenn Worte und Gesten immer dasselbe bedeuten. Klare und deutliche Signale sind deshalb die Grundvoraussetzung, um Missverständnisse zwischen Mensch und Hund zu vermeiden. Die verschiedenen Kommandos sollten möglichst aus einzelnen Worten bestehen wie „hier“, „sitz“, „platz“ oder „bei Fuß“, die Stimme sollte dabei bestimmt und selbstsicher, aber auch warm und freundlich sein. Mit langen Redeschwällen können Hunde hingegen nur wenig anfangen. Ein „Komm jetzt endlich her, warum hörst Du denn nicht?“, kommt beim Hund nur als Kauderwelsch an, der kein bestimmtes Kommando enthält. Entsprechend bleibt die gewünschte Reaktion meistens aus. Im Rudel geht es letztlich immer um Dominanz und darum wer der „Chef“ ist. Auch im menschlichen Rudel müssen die Rollen immer klar verteilt sein. Mit der richtigen Körpersprache klappt die Kommunikation zwischen Mensch und Hund bestimmt. Und mit dem Trainingsratgeber vom Profi sowie einer schmackhafter Belohnung werden auch schwierige Fälle zum Sprachtalent.

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